Was ist ein Dekubitus?
Ein Dekubitus ist eine lokal begrenzte Schädigung der Haut und/oder des darunterliegenden Gewebes, meist über einem Knochenvorsprung. Druck sowie Druck in Verbindung mit Scherkräften spielen eine zentrale Rolle. Besonders gefährdet sind Menschen, die ihre Position nicht ausreichend selbst verändern können oder Belastungen nicht zuverlässig wahrnehmen und mitteilen.
Ziel der Dekubitusprophylaxe im Altenheim ist, ein individuelles Risiko früh zu erkennen und mit geeigneten Maßnahmen die Entstehung eines Druckschadens zu vermeiden. Dabei bleibt die Förderung von Eigenbewegung ein zentrales Prinzip.
Risikofaktoren fachlich einschätzen
Wichtige Hinweise sind eine deutlich eingeschränkte Mobilität, Immobilität nach einer akuten Erkrankung, neurologische Einschränkungen, starke Erschöpfung, Schmerzen bei Bewegung, eine bereits vorgeschädigte Haut oder ein früherer Dekubitus. Auch feuchte Haut, mangelnde Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme oder schlecht passende Hilfsmittel können die Situation verschärfen.
Die Einschätzung beginnt bei der Aufnahme und wird wiederholt, wenn sich der Zustand verändert. Ein Punktwert allein genügt nicht. Pflegefachkräfte müssen begründen können, welche konkreten Faktoren bei dieser Person zu einem Risiko führen.
Eigenbewegung fördern
Jede selbst ausgeführte Positionsveränderung reduziert Belastungszeiten und erhält Fähigkeiten. Deshalb sollte zuerst geprüft werden, welche Bewegung die Person selbst übernehmen kann: das Becken verlagern, sich im Bett drehen, die Fersen entlasten, aufstehen oder kurze Strecken gehen. Verbale Anleitung, erreichbare Haltemöglichkeiten und passend eingestellte Hilfsmittel können Selbstständigkeit unterstützen.
Kann die Person die Lage nicht ausreichend selbst verändern, werden unterstützte Bewegungen und Positionierungen individuell geplant. Starre Zeitpläne ohne Bezug zu Hautzustand, Belastung, Schlaf, Komfort und Eigenaktivität sind nicht ausreichend.
Druck und Scherkräfte reduzieren
Druckverteilende Matratzen oder Sitzkissen können Teil des Maßnahmenplans sein, ersetzen aber weder Bewegung noch Beobachtung. Fersen benötigen bei entsprechender Gefährdung eine wirksame Entlastung. Beim Transfer und beim Hochbewegen im Bett sind Reibung und Scherkräfte möglichst zu vermeiden; geeignete Transferhilfen und rückenschonende Techniken unterstützen dabei.
Die Auswahl eines Hilfsmittels richtet sich nach Risiko, Körperbau, Mobilität, Komfort, Pflegeziel und Herstellerangaben. Ringkissen oder improvisierte Lagerungslösungen können ungünstige Druckspitzen erzeugen und gehören nicht unkritisch eingesetzt.
Haut beobachten und Warnzeichen ernst nehmen
Gefährdete Hautbereiche werden situationsgerecht beobachtet. Eine nicht wegdrückbare Rötung, Verfärbung, Überwärmung, Verhärtung, Schwellung, Blasenbildung oder neu auftretender lokaler Schmerz muss fachlich bewertet und unmittelbar entlastet werden. Bei dunkleren Hauttönen kann eine reine Farbveränderung schwerer erkennbar sein; Temperatur, Gewebekonsistenz und Schmerz gewinnen dann zusätzlich an Bedeutung.
Bei Verdacht auf einen Dekubitus sind Verlauf, Lokalisation und Befund nachvollziehbar zu dokumentieren und die zuständigen Stellen nach Einrichtungsstandard zu informieren. Hautmassage auf geröteten gefährdeten Bereichen ist keine geeignete Prophylaxe.
Ernährung, Feuchtigkeit und Komfort
Mangelernährung und Dehydration können die Gewebetoleranz beeinträchtigen. Auffälliger Gewichtsverlust, geringe Aufnahme oder Kau- und Schluckprobleme erfordern eine strukturierte Einschätzung und gegebenenfalls interprofessionelle Abklärung. Hautschutz bei Inkontinenz orientiert sich an einer sanften Reinigung, sorgfältigem Trocknen und geeigneten Schutzprodukten.
Prophylaxe muss zum Menschen passen. Schmerzen, Schlaf, Wünsche und Ablehnung werden ernst genommen. Maßnahmen werden erklärt, gemeinsam vereinbart und regelmäßig auf Wirkung und Belastung geprüft.
Praxisnahe Dokumentation
Die Dokumentation enthält das konkrete Risiko, gefährdete Körperbereiche, vorhandene Fähigkeiten, vereinbarte Maßnahmen und deren Evaluation. Statt „gelagert“ sollte erkennbar sein, welche Unterstützung erfolgte und wie Haut, Komfort und Eigenbewegung beurteilt wurden.
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Quellen und weiterführende Informationen
- Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege – 2. AktualisierungDeutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege · 2017 · abgerufen 2026-10-23
- Expertenstandards und AuditinstrumenteDeutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege · 2026 · abgerufen 2026-10-23



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